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Scode ...wir verstehen uns.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.7.1995, Seite T2

Bring Butter mit oder "Butr0250g"

Mit dem Scheller-Kode können auch ausführlichere Nachrichten über Scall abgesetzt werden

Scall, der kleine Taschenempfänger für gefunkte Nachrichten, ist beliebter geworden, als sich selbst die schönste Post-Tochter, die DeTeMobil, je hat träumen lassen:

160 000 Geräte sind schon in den Taschen oder als Swatch-Uhr an den Armen deutscher Funkrufempfänger. Nur einen Haken hat Scall: Es kann ausschließlich Zahlen übertragen. Buchstaben von A bis Z gibt es dreimal soviel wie Zahlen, sie sind mit dem Telefon nicht piepsbar, und ein eigener Auftragsdienst wie für den noblen Cityruf mit Alpha-Service würde Scall so sehr verteuern, daß es wie dieser unter der Popularitätsschwelle bliebe.

Der Physik-Student Stefan Scheller, vor fünf Jahren mit einer Arbeit über synthetische Hologramme erster Physik-Bundessieger bei Jugend forscht, hat jetzt einen Scall-Kode für Buchstaben entwickelt, der aus Ziffern mit einer kleinen Taschentabelle kodier- und dekodierbar ist und doch durchschnittliche Verdichtungssätze von unter 1,1 Stellen je Buchstabe schafft.

Scheller hat - technisch perfekt - deutsche Wörter statistisch analysiert, schon weil in Fließtexten mehr Füllwörter vorkommen, als man dem Telegrammstil einer knappen Funknachricht anvertrauen würde. Selbst sein Wörterbuch hat er für die Statistik um Endsilbenartefakte, Wörter mit Endungen auf -ung und -lich bereinigt.

Der praktisch erweiterte Scheller-Kode nutzt außerdem noch Abkürzungen, kürzt Doppellaute, verwirft Dehnungen und bleibt trotz allem beim Entschlüsseln eindeutig. Nur für c und ch, für ich und j, für q und sch, und für x, y und z wurden jeweils dieselben Kodes gewählt. Bei typischen Texten, wie zum Beispiel "Bring Butter mit" (017460500099370949), kann man ebenfalls kürzen, etwa durch Streichen von "mit" (0949). Die Butter schreibt sich "Butr" (00097) oder sogar orthographisch richtig mit zweitem t und e (0009937).

Ziffern, hauptsächlich Uhrzeiten, lassen sich nach einem Umschaltcode in Vierergruppen einsetzen. In die 13 Stellen des Scheller-Scall-Kodes paßt das halbe Pfund Butter dann entweder als "Butter250" (0009937190250) oder aber als "Butr0250g" (0009719025005). Scheller arbeitet mit 8 einstelligen, 18 zweistelligen und 20 dreistelligen Kodes.

Vokale wie a und e oder beliebte Konsonanten wie r und s brauchen nur eine Ziffer, Buchstabengruppen (wo oder zu) bekommen drei, man denkt an Stenokürzel. Er reserviert vorn in den 15 möglichen Scall-Stellen zwei Ziffern Absenderkode, der zugleich reine Rückruf-Nummern von Scheller-Kodes unterscheidet, und nutzt dann 13 Stellen für seine Buchstabennachrichten.

Sein Koderkärtchen entwickelt sich zur Zeit zum Geheimtip der Scaller-Szene, obwohl der Erfinder des leider nicht patentierbaren und leicht variierbaren Kodes mehr davon haben will als nur den Ruhm des kompaktesten Schlüssels:

Für 10 Mark schickt Stefan Scheller (Alter Heerweg 26a, 53123 Bonn, Telefon 0228/746531) 10 Kärtchen zum Verteilen an Scall-Partner und -Partnerinnen zu. Wir haben uns selbst einen kleinen Software-Dekodierer gebastelt, hoffen aber heimlich, daß Schellers Kode als sehr sinnvolle Gagware in die Scall-Pager integriert wird.

FRITZ JÖRN

Und das sagen andere Zeitungen und Zeitschriften:

"Dieser Code erhält die Freundschaft"
Süddeutsche Zeitung/jetzt 12.7.95

"Ein weitaus besseres System als die vorgefertigten Nummern"
Berner Zeitung/4U, 30.7.95

"Mit einem Trick lassen sich auch an numerische Funkrufempfänger Texte verschicken"
connect, 9/95

"Endlich kann man auch Texte scallen"
WDR-Einslive, 14.7.95

"... noch ausgetüftelter ist die Scode-Methode von Stefan Scheller..."
com, 2/97

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